"Wir zählen jetzt rückwärts auf die Wallfahrt zu" 13.04.11
Ein Jahr vor der Heilig-Rock-Wallfahrt: Vorfreude im gesamten Bistum

Ein Jahr vor der Wallfahrt: Bischof Dr. Stephan Ackermann (links) und Wallfahrtsleiter Dr. Georg Bätzing (rechts)
Bischof Ackermann sagte, er erhoffe sich von der Wallfahrt eine "Stärkung des Glaubens". Er sei dankbar, dass mit der Wallfahrt ein Akzent gesetzt werde, "der zutiefst auf die Mitte des Glaubens hinführt". Für ihn als Bischof seien der Tag ein Jahr vor der Wallfahrt und das Heilig-Rock-Fest zum Start des Vorbereitungsjahres am 6. Mai eine Zäsur: "Wir zählen jetzt rückwärts auf die Wallfahrt zu." Er gehe der Christuswallfahrt mit "großer Freude" entgegen und habe gleichzeitig "Respekt vor dem Mega-Ereignis". Bei allen Kooperationen, die die Wallfahrtsorganisation im Vorfeld suche, habe er den Eindruck, dass "die Begegnungen von großer Kooperationsbereitschaft und Vorfreude" geprägt seien. Gerade auch im Bereich der Ökumene wolle man den Boden bereiten und hoffe auf "richtungsweisende Begegnungen".
Wallfahrtsleiter Bätzing lud zum Jahr der geistlichen Vorbereitung im Bistum Trier ein, das mit dem Heilig-Rock-Fest am 6. Mai in Trier startet. "Einzelne Menschen, Familien, Gruppen, Pfarreien, Verbände und Dekanate sind eingeladen, sich als Volk Gottes auf den Weg zu machen, Leben und Glauben miteinander in Verbindung zu bringen und der christlichen Grundbotschaft von der Erlösung im eigenen Leben nachzuspüren." Er verwies auf die neue Homepage, die viele Informationen sowie Impulse, Ideen und Materialien zum Vorbereitungsjahr biete. Das Jahr sei bewusst dezentral angelegt.
Mit dem Heilig-Rock-Fest werde zwar der Beginn des Jahres in Trier gestaltet, darüber hinaus solle es dann aber im gesamten Bistum Veranstaltungen geben. Bätzing erwähnte besonders die spirituellen und kulturellen Angebote des ökumenischen Projektes "Kirche auf der BUGA 2011" in Koblenz, die das Thema des Vorbereitungsjahres und das Leitwort der Wallfahrt >>und führe zusammen was getrennt ist<< aufgreifen; außerdem wies er hin auf die Ausstellung "Pilgerwege", die im Herbst in Saarbrücken gezeigt wird.
Bätzing betonte, im Vorbereitungsjahr sollten sich Christinnen und Christen "innerlich auf den Weg machen": "Die Kirche will einen Beitrag leisten, dass das Leben gelingt." Er habe den Eindruck, dass die Menschen im Bistum Trier noch nie so nahe beieinander gewesen seien wie bei der Vorbereitung auf die Wallfahrt.
Geschäftsführer Meyer zeigte sich zufrieden mit dem Stand der Dinge in der Organisation. Die früh geknüpften Kooperationen erwiesen sich als sehr hilfreich. Auch die Ende März gestartete Helferkampagne laufe gut: "Wir werden wohl diese Woche die Marke von 500 Helferinnen und Helfern knacken. Da fehlt zwar noch ein großer Teil bis zu den benötigten 2.500 Frauen, Männern und Jugendlichen, aber wir sind zuversichtlich, dass uns genügend Ehrenamtliche unterstützen werden."
Meyer informierte über mögliche Tagesabläufe für Pilgergruppen, und wies auf spezielle Angebote für Wallfahrerinnen und Wallfahrer wie die "Mitpilgerzentrale" hin. Derzeit arbeite man unter anderem am Verkehrskonzept, dem Verpflegungskonzept, bei dem man ebenfalls auf Kooperationen mit Stadt, Gastronomie, Handel und Wirtschaft setze, und den Informationspunkten.
Vom 13. April bis 13. Mai 2012 lädt das Bistum Trier zur Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier ein. Dann wird erstmals seit 1996 der Heilige Rock wieder im Trierer Dom zu sehen sein. Die Christus-Wallfahrt steht unter dem Leitwort "und führe zusammen, was getrennt ist". Der Heilige Rock, die Tunika Jesu Christi, ist die bedeutendste Reliquie des Trierer Doms. Sie wird dort verschlossen und nicht sichtbar aufbewahrt. Die Geschichte des Heiligen Rocks ist ein Gewebe aus Legenden und Überlieferungen. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, soll ihn im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht haben. Informationen zum Jahr der geistlichen Vorbereitung und der Wallfahrt gibt es im Wallfahrtbüro, Tel.: 0651-7105-8012.
Welche Wirkung der Bischof sich von der Wallfahrt erhofft
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"führe zusammen..." ist weiter als "nur" Ökumene, zB auch Gesellschaft und Globales Dorf...
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Bischof: Ob der Papst zur Wallfahrt kommt? Bisher gibt es keine Zu- oder Absage...
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Bischof und Wallfahrtsleiter: Eine Gebetsbitte um Einheit, die wir menschlich nicht zusammenkriegen...
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Wallfahrtsleiter Georg Bätzing: Die Tunika ist ein Zeichen für den Menschen Jesus
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Bischof und Wallfahrtsleiter: Ob der Heilige Rock "echt" ist? Jedenfalls kann er als Christus-Ikone die Menschen zu Christus führen
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Bernhard Arens aus 48249 Dülmen
15.04.2011
Sehr geehrter Herr Bischof Ackermann, sehr geehrter Herr Bätzing,
1959 hatte ich als Konviktorist im Dom vor der Veröffenlichung bzw. Enthüllung des Heiligen Rockes für die Wallfahrer Nachtwache im Dom. Später war ich beim Ordnungsdienst ein- gesetzt.
Auszüge meiner Notizen von damals mit Vorbemerkungen schicke ich Ihnen.
Heilig Rockwallfahrt in Trier
Die Frage, ob das in Trier als Tunika Jesu gezeigte Gewand echt oder unecht ist, begleitet auch die Trierer Heilig Rockwallfahrt 2012 in den Medien, aber die Wallfahrt wird dadurch nicht in Frage gestellt.
Vor 53 Jahren notierte ein Oberprimaner des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Trier, was er mit anderen Schülern des Konviktes (Bischöfliches Internat) hinter den Kulissen beim Ordnungsdienst der Heilig Rockwallfahrt 1959 gesehen und erlebt hat.
Wache am hl. Rock in der Nacht vom Samstag, dem 18.Juli bis Sonntagmorgen, den 19. Juli von 2.00 Uhr bis 5.00 Uhr
Still ist es um uns. Zwei haben sich zu beiden Seiten des noch verhüllten hl. Gewandes niedergelassen. Ich habe mich in den äußersten Winkel des Chorgestühls zurückgezogen. Allein will ich sein.
Eine stille Spannung fiebert in mir. ... Tiefe, kräftige Schläge der Domuhr durchzittern die Nacht. Hier ein leises Knistern, dort kreischt altes Gebälk in seinen morschen Fugen. Suchend, spähend gleiten die Augen von einem dunklen Winkel zum anderen. Schwaches gedämpftes Licht zeigt verschwommen die graufarbenen Konturen der wuchtigen Säulen und Wände. Hinter meinem Rücken weitet sich in den gewaltigen Westchor das Mittelschiff des Domes aus, gehüllt in dunkelschwere Nacht.
Vor mir in brechendem Kontrast lässt das Licht den Hochaltar erstrahlen in purpurnem Rot, das von dem ehrwürdigen Schatz ausgeht. Noch ist dieses so heiß umkämpfte Gewand verhüllt. Doch mit bis zum Zerspringen gespannten Adern ziehen wir das purpurne Verhüllungstuch beiseite. Ich bin erstaunt über die Feinheit und Zartheit dieses Gewandes, das mir unter Glasscheiben gebettet vor Augen steht. Das ist also der hl. Rock Christi. Die Frage nach der Echtheit ist nur flüchtig.
Etwas ganz anderes geht in mir vor. Wer war dieser Christus? ... Er ist Mensch geworden. Er ist Mensch unter Menschen gewesen.
Damals sichtbar lebt er auch heute noch, wenn auch unsichtbar unter uns. Er ist da in seiner Kirche. ...
Dieses Bewusstsein, erfüllt sein von Jesus Christus wird noch bestärkt durch das Christusbild über dem Altar. Christus ist der Herr. ...
Das war vor 52 Jahren. Der Glaube war verwurzelt in der Gemeinschaft der Kirche, von der Romano Guardini in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überzeugt war, wenn er sagte: «Die Kirche erwacht in den Seelen gerade der jungen Menschen.»
Heute im 21. Jahrhundert scheint es, dass die Kirche gerade in den Herzen der jungen Menschen zu sterben droht. Und darüber hinaus ist bei Erwachsenen die Distanz zur Kirche größer geworden.
Alles hat seine Zeit - die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier hatte ihre Zeit - heute ist sie unzeitgemäß.
Hier mein Leserbrief den ich an den TV geschickt habe.
Redaktion
TV Leserbriefe
TV 11.04.2011 "Enorme Geschichte": Heiße Phase für Heilig-Rock-
Wallfahrt läuft, Birgit Reichert
Was würde Jesus dazu sagen?
"Und führe zusammen, was getrennt ist" Diese Bitte als Leitwort der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 kommt ohne Zweifel aus dem Geiste Jesu.
Es stimmt auch, 2012 sind 500 Jahre vergangen, als der Kaiser des Heiligen-Römischen-Reiches-Deutscher Nation, Maximilian I., 1512 zum Reichstag nach Trier eingeladen und eine öffentliche Zurschaustellung des "Heiligen Rockes" veranlasst hatte.
Aber dass die in Trier als Tunika Jesu gezeigte Textilie eine "Enorme Geschichte" hat, kann vor der Geschichte nicht bestehen.
Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, hat der Legende nach von einer Reise 327 ins Heilige Land das ungeteilte Gewand Christi nach Trier gebracht.
1196 verpackte man das Gewand in eine Kiste und mauerte es im Ostchor des Trierer Domes ein. Dort verblieb es bis zum 14. April 1512, als Maximilian forderte, das Gewand der Öffentlichkeit zur Verehrung zu zeigen.
Die von Helena legendär nach Trier gebrachte Stoffreliquie ist nicht mehr zu sehen. Sie ist zerstückelt eingehüllt in ein neues Kleid, gleichsam in ein Textilreliquiar, das dem Stil eines liturgischen Gewandes aus dem 16. Jahrhundert entspricht.
Die Unechtheit der im Trierer Dom gezeigten Reliquie als Tunika Christi : als Heiliger Rock propagiert : ist historisch nicht zu bestreiten. Dieses Kleidungsstück ist nicht das nahtlose Leibgewand Jesu, über das die römischen Soldaten das Los geworfen haben, wie Professor Erwin Iserloh, Kirchenhistoriker, schon vor über 50 Jahren nachgewiesen hat..
Die Frage, ob dieser Rock in Trier echt oder unecht sei, mit den Worten zu überspielen: Es steht ja kein Namensschild Jesus Christus drin", ist grotesk und stellt die Glaubwürdigkeit dieser Wallfahrt fundamental in Frage. Man nimmt in Kauf, mit einem Fetisch Hunderttausende nach Trier zu locken und sie im naiven Glauben zu lassen, den Heiligen Rock, das Gewand Christi, sehen zu können.
2012 sollte die letzte Heilig Rockwallfahrt sein! Es ist Zeit, dieses fraglich fragile Textilstück wieder einzumauern!
Es darf nicht einmal mehr der Verdacht aufkommen, dass die Religion, und das gilt auch für die "Heilig Rockwallfahrt" - Opium des Volkes : ist, wie Karl Marx, 1818 in Trier geboren, vor 170 Jahren beklagte.
Was würde Jesus dazu sagen, wenn für die so genannte Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 drei Millionen Euro bereit gestellt sind, aber Kindergärten Zuschüsse gekürzt oder gar geschlossen werden und Missbrauchsopfern eine angemessene Entschädigung vorenthalten wird?
Mit freundlichen Grüßen,
Bernhard Arens
Reitacker 41, 48249 Dülmen, Tel.: 02594/6636
Kommentar:
Ein schöner Bericht von 1959! Danke!
Zum Leserbrief an den TV hier nur ein paar Anmerkungen:
Ich höre oben: Es gibt archäologische und historische Untersuchungen... Heute ist die Entmythologisierung wichtig und auch hilfreich für das ökumenische Gespräch. "Wir kommen an den Ursprung nicht wirklich heran... Die Engführung auf die "echt-unecht"-Frage verhindert, dass diese Ikone zur Begegnung mit Jesus Christus führen kann - dazu lädt sie aber ein." (Wallfahrtsleiter Bätzing) - "... der Heilige Rock, der seit Jahrhunderten verehrt wird und der die Menschen zu Christus führt..." (Bischof Ackermann).
... und finde, da lässt sich doch eigentlich nicht ernsthaft von einem "Fetisch" reden!?
Ja, was Jesus mit drei Millionen täte, wenn er andererseits sagen sollte: Lasst die Leute zu mir kommen!? ...
altfried g. rempe

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Inzwischen sind jede Menge Bilder zusammen gekommen. Zu finden auf dieser Seite.


