Und führe zusammen, was getrennt ist

Webstuhl als Tagebuch der Wallfahrt 31.01.12

Internationales Forum: Teilnehmer weben auch sichtbar an Ökumene

Wallfahrtsleiter Bätzing webt ein Siegelband vom Schrein des Hl. Rocks ein.

Wallfahrtsleiter Bätzing webt ein Siegelband vom Schrein des Hl. Rocks ein.

Trier - Fünf Tage lang haben die rund 200 Teilnehmer des internationalen Ökumenischen Forums, das im Vorfeld der diesjährigen Heilig-Rock-Wallfahrt im Trierer Robert-Schumann-Haus stattfindet, ein großes gemeinsames Ziel: Sie wollen "Ökumene weben" und gemäß dem Wallfahrtsmotto "zusammenführen, was getrennt ist".   Das geschieht in Vorträgen und Podiumsdiskussionen, in Workshops und Arbeitsgruppen. Und es geschieht ganz konkret an einem Webstuhl, der dann während der Wallfahrt vom 13. April bis 13. Mai vor dem Trierer Dom stehen und die Pilger einladen wird, ihre "Lebensfäden" miteinander zu einem Ganzen zu verweben.

Bei der Premiere am 30. Januar webte Wallfahrtsleiter Monsignore Dr. Georg Bätzing selbst und   bemerkte schnell: "Das geht richtig gut!". Nach zwei "Testfäden" webte er ein besonderes Band in das Textil: Aus dem Schrein, in dem die Tunika Christi aufbewahrt wird, stammt das breite weiße Band mit bischöflichem Siegel, das sich in dem fertigen Stoff besonders bemerkbar machen wird. Nach dem Wallfahrtsleiter schlossen sich auch Bischof Dr. Stephan Ackermann und die Forumsteilnehmer an und fügten bunte Fäden in das stetig wachsende Stück ein.

"Das ist fantastisch, wie die Aktion angenommen wird", freute sich Marled Mader. Die Weberin ist als Leiterin des Arbeitskreises Textil im "Freundeskreis des keltischen Ringwalls Otzenhausen e.V." die Anleiterin für den Webstuhl. Für sie, ihren Mann Hans und die Arbeitskreis-Kollegin Stefanie Seiffert sei es Ehre und Freude zugleich, mit der Web-Aktion sowohl das ökumenische Forum als auch die gesamte Wallfahrt begleiten zu dürfen, sagte Marled Mader. "Fäden - kreuz und quer - dieses Webstuhls werden uns sichtbar verbinden", sagte Pfarrerin Dr. Barbara Schwan bei der liturgischen Feier zur Inbetriebnahme des Webstuhls. Ein Tischtuch oder mehrere Tücher sollten entstehen und zum Zeichen werden: "Das Tischtuch zwischen den christlichen Konfessionen und Religionen ist nicht zerrissen, sondern es trägt", sagte Pfarrerin Schwan.

Während die Teilnehmer des Forums ihre Fäden zu dem Gemeinschaftswerk webten, erläuterten die Profis den Webstuhl und seine Arbeitsweise. Sechs Stunden habe sie gebraucht, um die 480 Kettfäden aus Baumwolle zu befestigen, berichtete Marled Mader. An die Fäden, die rund einem Meter breit an einem schmalen Brettchen befestigt sind, wird zunächst eine Borte gewebt, die dann wiederum an dem Webbaum fixiert wird. Das Exemplar für die Wallfahrt wurde vom Arbeitskreis Holz des Otzenhausener Vereins aus Fichtenholz gearbeitet und ist ein "Fürstlicher Gewichtswebstuhl". Die Bezeichnung trägt er, weil er mit rund drei mal drei Metern tatsächlich fürstliche Ausmaße hat und die Kettfäden am unteren Ende mit Hilfe von Tongewichten auf Spannung gehalten werden. Um einen schnellen "Durchschuss" zu ermöglichen, ist jeder zweite Faden an einer Litze befestigt. So erfolgt per Holzstange der gleichmäßige Wechsel von Vorder- und Rückfäden. "Super simpel eigentlich", meinte die Fachfrau und erhielt Bestätigung durch das schnelle Lernen der von dem Projekt begeisterten Tagungsteilnehmer. Webstühle dieser Art seien in der Antike bis ins Mittelalter hinein verwendet worden, wie Abbildungen in Pyramiden sowie auf griechischen, etruskischen und römischen Vasen zeigten, erläuterte Marled Mader weiter. Auch das ungenähte Gewand Christi sei vor 2.000 Jahren wohl an einem ähnlichen Webstuhl gefertigt worden.

Der Webstuhl werde ein Tagebuch des ökumenischen Forums und der gesamten Wallfahrt werden, erklärte Monsignore Georg Bätzing. Er erzählte von einer Ordensfrau, die lange als Hebamme in Algerien tätig gewesen sei. Im Mittelmeerraum, so habe sie berichtet, sei es bis heute Tradition, dass Mütter vor der Geburt begännen, ein Gewand für ihre Söhne zu weben. Dahinein würden Freude und Sorgen der werdenden Mutter fließen, die dann ihrem Kind die Tunika gewissermaßen als Tagebuch übergebe. Für die Ordensfrau sei es im Wissen um diese Tradition ganz selbstverständlich gewesen, dass die Soldaten das Gewand Jesu nicht zerteilt hätten: "Sie haben an ihre eigenen Mütter gedacht und Respekt vor dem Tagebuch gezeigt."

Während der Heilig-Rock-Wallfahrt werden alle Pilger eingeladen, einen für sie wichtigen Faden mitzubringen. Diese Fäden werden vor dem Betreten des Doms am Webstuhl abgegeben und von geschulten Helfern eingewebt. "Wenn jeder Zehnte einen Faden mitbringt", so hat Marled Mader ausgerechnet, "entsteht ein insgesamt etwa 50 Meter langes Stück Stoff." Da der Webstuhl dafür nicht ausgelegt sei, werde auf zwei etwa 60 Zentimeter breiten und fünf Meter langen Ketten gewebt. Die dann entstehenden Textilien sollen nach der Wallfahrt als Symbole des gemeinsamen Arbeitens an die Dekanate gegeben werden. Dort können sie für besondere Anlässe ausgeliehen werden. Und die beim ökumenischen Forum entstehenden Stoffe sollen zum Einsatz kommen bei ökumenischen und interreligiösen Festen als Zeichen der Hoffnung, "dass alle eins sind".

Informationen über   den Freundeskreis des keltischen Ringwalls Otzenhausen gibt es im Internet unter www.hochwaldkelten.de. Alle Infos zur Heilig-Rock-Wallfahrt sind zu finden unter www.heilig-rock-wallfahrt.de, die Informationen zum Ökumenischen Forum, das noch bis zum 3. Februar dauert, gibt es unter www.oekumenisches-forum-trier.de im Internet.

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Trier: 13. April bis 13. Mai 2012
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