Und führe zusammen, was getrennt ist

Von Wetterkapriolen und kreischenden Fans 28.04.12

3000 Jugendliche beim Frida Gold-Konzert im Palastgarten

Trier - Das Wasser plätschert auf die Regenschirme und der Kiesboden hat sich stellenweise in einen schwimmenden See verwandelt. Aber das ist den Jugendlichen im Palastgarten egal und der Band "Elliot" auf der Bühne sowieso - sie steht schließlich im Trockenen. Noch ist der Platz vor der Bühne spärlich gefüllt, nach und nach tröpfeln einzelne Jugendgruppen und Teeniefans durch die Sicherheitskontrolle. Es ist 19 Uhr am ersten Abend des großen Jugendevents bei der Heilig-Rock-Wallfahrt, ein Höhepunkt soll das Konzert mit Frida Gold werden. Alles prima - würde es nicht in Strömen regnen.

Doch die Vorband Elliot, eine Coverband aus dem Saarland, bringt Stimmung unter die aufgespannten Schirme. "99 Regenschirme auf ihrem Weg zum Horizont" könnte der neue Regenhit des Jahres werden, zumindest aber bezeichnend für den ersten Teil des Abends. Hinten am Platz unter den Bäumen hat eine Ministrantengruppe aus Pluwig Schutz gesucht. Sie beginnen, ihre Fahne auszurollen und die Stange zusammenzubauen. Doch beim Schwenken wird schnell klar: Ohne Regen wäre das irgendwie einfacher. "Egal, morgen wird es besser und heute kriegen wir das auch so hin", sagt einer der Jungs. Zeit für schlechte Laune ist heute nun wirklich nicht angesagt.

Die Jungen aus Pluwig können leicht reden, schließlich sind sie eben erst gekommen. Selina, Michelle und Leo aus Waldbreitbach geht es da etwas anders. Am Getränkeausschank direkt neben dem Heizpilz wärmen die drei ihre nassen Füße auf. "Es ist unser erstes Konzert von Frida Gold und wir freuen uns total", erzählt die 13-jährige Selina. Zusammen mit ihrer Jugendgruppe sind sie für das komplette Jugendevent angereist. "Nicht alle von uns sind heute Abend beim Konzert dabei, manchen scheint das nicht zu gefallen", sagt Leo. Langsam bekommen die drei, die schon seit eineinhalb Stunden im Palastgarten sind, wieder warme Füße. Sie beratschlagen, welcher Platz beim Konzert nachher der beste wäre. Ganz vorne an der Bühne? - "Schlecht, da werden wir nass." Doch besser unter dem Dach des Getränkestands stehen bleiben? - "Ich will aber was sehen!" Unter die Diskussion mischen sich Stimmen der Jugendlichen nebenan. Ein Mädchen in dünner Weste und hohen Schuhen beschwert sich, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird, jemand anderes sucht die Toilette.

Mittlerweile ist es knapp acht Uhr, der Regen bleibt konstant und die Stimmung ausgelassen. Alle warten gespannt auf Frida Gold. Am Eingang ist inzwischen eine Schlange entstanden, die Vorband Elliot verabschiedet sich mit einem letzten Gruß an alle Trierer und Selina, Michelle und Leo haben beschlossen, erstmal im Trockenen zu bleiben. Alles, was in den kommenden zwei Stunden auf der Bühne geschehen wird, wird mit Kreischen und Jubeln von den 3000 Jugendlichen kommentiert. Auch der Auftritt des Überraschungsgastes Bischof Dr. Stephan Ackermann, der sich zeitweise wohl wie ein Superstar fühlt. Die Geste des Winkens beherrscht er zumindest schon perfekt und das kommt an bei den klitschnassen Mädels und Jungs. Natürlich dürfe bei der Heilig-Rock-Wallfahrt ein Event für die Jugendlichen nicht fehlen, sagt er. Und dann: "Ich habe gehört, Frida Gold war länger in den Charts und ist wohl recht bekannt." Könnte man so sagen, schließlich stehen extra deshalb viele Fans schon seit sechs Uhr nachmittags vor der Bühne. So wie die Freundinnen Mareike, Julie und Laura aus Trier. Mit dem Heiligen Rock können die 15-Jährigen eher weniger anfangen, sie wollen Frida Gold spielen hören. "Wir sind totale Fans der Band und freuen uns schon auf das Konzert. Hoffentlich geht es bald los", sagt Laura.

Die Moderatoren von RPR1, die durch den Abend führen, haben ein Einsehen und auch der Himmel erweist sich als gnädig. Wer jetzt im Umkreis von zehn Metern vor der Bühne steht und seinen Schirm noch geöffnet hat, wird niedergebrüllt. Gegen neun Uhr ist es dann endlich so weit, das Licht geht aus und Frida Gold betritt die Bühne. Zum Glück steht die Frontsängerin Alina Süggeler unter einem Dach, sonst würde sie in ihren knappen Hotpants wohl sehr frieren. Während unten auf dem Platz kein Durchkommen mehr im vorderen Bereich ist, singt die Band "Lass uns fließen in dem Strom".

Desinteresse, oder zumindest Unverständnis hingegen in den Gesichtern vieler Eltern, Jugendleiter, Nonnen und Priester. Sie sind mit ihren Jugendgruppen angereist, stehen nun im hinteren Teil des Platzes unter dem Bäumen und bestaunen das Verhalten der kreischenden Jugendlichen. Ein etwa 50-jähriger Malteser steht am Rand und beobachtet sieben Mädels, die einen der Blumenkübel erklommen haben. Sein Blick verrät, dass ihm die Situation nicht behagt. Hauptsache, es passiert nichts. Die Liedfetzen "verwirrt und allein" fliegen über das Gelände, eine Schönstattschwester sucht ihre Jugendgruppe. Vermutlich wird sie die erst wieder am Ende des Konzerts finden.

Nach dem dritten Lied erklärt Alina Süggeler: "Wir haben nicht genau gewusst, was uns heute erwartet. Aber was uns jetzt entgegenkommt ist wunderbar." Das freut nicht nur die durchnässten Fans, sondern auch den Mond, der sich langsam hinter den Wolken hervorwagt. Die drei Freunde aus Waldbreitbach unterdes sind nur noch zu zweit. Sie haben sich doch noch nach vorne gewagt und prompt Leo aus den Augen verloren. Selina und Michelle machen sich auf die Suche. Eine Jugendleiterin will wissen, wann die Busse nach dem Abendlob abfahren. Diskussionen und Vermisstensuche am Rande.

Wer bis um kurz nach zehn noch keine Ahnung hat, warum die Frida Gold eigentlich so berühmt ist, dem geht bei der ersten Zugabe ein Licht auf. Bis hierhin wartete die Band mit ihrem Singlehit "Wovon sollen wir träumen". Jetzt beben nicht nur die Lautsprecherboxen sondern auch der Boden. Selbst der eine oder andere junge Priester singt den Text mit und wippt im Takt mit den Fußspitzen. Die dritte Zugabe ("Ich atme weiter, weiter, weiter") wird vom Fanchor in der ersten Reihe beinahe selbst bestritten, wirklich herausfordernd ist der Text auch nicht. Schließlich geht es um das Feeling und nicht um Lyrik. Um halb elf setzt der Regen wieder ein, das Konzert ist zu Ende. "Ich wollt nur sagen, ich bin raus" ist das letzte Lied des Abends, Frida Gold sind ebenso schnell weg, wie sie da waren. Mareike, Julie und Laura sind begeistert, Selina und Michelle haben Leo wiedergefunden und auch die Schwester aus Schönstatt ist nicht mehr alleine. Der Malteser atmet erleichtert auf, trotz der niedergetrampelten Blumen. Morgen werden fleißige Helfer da wohl neue pflanzen.

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Alina Süggeler & Thomas Holtgreve von "Frida Gold"


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Julian Cassel, Bassist Frida Gold, über Reliquien


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Andreas Weizel, Gitarrist Frida Gold


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1

AK aus Saarland

28.04.2012

Supertolle Fotos - scheint ein gigantischer Abend gewesen zu sein. Da rockt der Rock :-)

 
 
Trier: 13. April bis 13. Mai 2012
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