Ökumene im Kleinen 26.01.12
Wie es sich in einer konfessionsverbindenden Familie lebt

Familie Büllesbach (von links): Heinz-Josef, Lukas, Ellen und Simon.
Neustadt/Wied - 1998 haben Ellen und Heinz-Josef Büllesbach geheiratet. Es war eine ökumenische Trauung in einer evangelischen Kirche unter Mitwirkung eines Diakons und einer evangelischen Pfarrerin. "Wunderschön, alles hat gestimmt", erinnert sich Ellen Büllesbach beim Durchblättern des Familienalbums. Die Überlegung, dass einer der Partner vor der Heirat konvertieren könnte, habe sich ihnen gar nicht gestellt. "Wir fühlen uns beide in unserer Konfession wohl. Warum hätten wir daran etwas ändern sollen?", fragt Heinz-Josef Büllesbach.
Beide sind in religiösen Elternhäusern groß geworden. "Meine Mutter war ultra-katholisch", sagt er und sie: "und meine ultra-protestantisch". Die Tatsache, dass sie einen Partner aus einer anderen Konfession gewählt hätten, habe aber keine Probleme gebracht. "Die Zeiten, in denen meine Oma extra an Fronleichnam die Wäsche gewaschen und nach draußen gehängt hat, waren zum Zeitpunkt der Eheschließung zum Glück längst vorbei", sagt Ellen Büllesbach. In den ersten Jahren der Ehe besuchte das Ehepaar getrennt die Gottesdienste der jeweiligen Konfession. Während Heinz-Josef Büllesbach auch schon früher Kontakte zur evangelischen Kirche hatte, hat seine Frau "die katholische Kirche eigentlich erst durch ihn kennen gelernt". Ihr gefallen die Kerzen und die Glocken im katholischen Gottesdienst, insgesamt das Feierliche. "Nur mit dem Weihrauch hab ich meine Probleme."
Als die Zwillingsbrüder Simon und Lukas auf die Welt kamen, wurden sie evangelisch getauft. Zwar seien er und seine Frau im Traugespräch darauf hingewiesen worden - und haben auch ein entsprechendes Dokument unterzeichnet - dass der Vater nach Möglichkeit darauf hinwirken solle, dass die Kinder katholisch getauft würden, doch sie hätten sich anders entschieden. "Das hat vor allem praktische Gründe", sagt Büllesbach. "Denn den größten Teil der Erziehung trägt meine Frau." Die Kinder begleiten ihre Eltern mal in diesen, mal in jenen Gottesdienst. Ob katholisch oder evangelisch - das spielt für sie keine Rolle. Als sie jünger waren fragten sie die Mutter in der katholischen Kirche schon mal: ?"Mama, warum gehst du nicht mit dem Papa nach vorne?" Und was hat sie geantwortet? "Wahrscheinlich etwas batzig: Da bin ich nicht willkommen." Das tue schon weh. Während ihr Mann in ihrer Kirche zum Abendmahl eingeladen sei, fühle sie sich in der katholischen Kirche ausgeschlossen. "Ich bin auch noch nie nach vorne gegangen, selbst wenn ich irgendwo fremd war und der Ortspfarrer mich nicht kannte. Das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Ich möchte keinen Pfarrer, bewusst oder unbewusst, in die Bredouille bringen." In ihrer gemischt konfessionellen Frauengruppe, im Vorbereitungsteam für katholische Krabbelgottesdienste und bei der Arbeit als Hauswirtschafterin in einem katholischen Kindergarten fühlt sich Ellen Büllesbach jedoch wohl. Natürlich diskutiere man auch dort, aber "ich habe den Eindruck, dass die Ökumene vor allem von oben her schwierig gemacht wird. Wir leben sie ja schon längst in unserer Familie und im Alltag".
Im Gespräch miteinander stellt das Ehepaar immer wieder fest, dass unterschiedliche Sichtweisen weniger aus ihrer Zugehörigkeit zu ihrer jeweiligen Konfession entstehen, sondern vielmehr "aus den zehn Jahren, die altersmäßig zwischen uns liegen". Heinz-Josef Büllesbach (56) kommt aus einer Generation, in der Bibel- und Katechismusunterricht noch eine Selbstverständlichkeit waren. Er verbindet mit seiner religiösen Erziehung Begriffe wie "Demut, Buße und bereuen". In seiner Kindheit seien sowohl katholische als auch protestantische Kinder noch viel strenger erzogen worden als heute. Über vieles wurde einfach nicht diskutiert. Doch der "leise Zwang", der damals zum Beispiel im Hinblick auf den Gottesdienstbesuch bestanden habe und der viele seiner Altersgenossen später dazu gebracht habe, sich von der Kirche abzuwenden, "hat mich nicht davon abgehalten, weiterhin gerne zu gehen. Ich stehe zu meinem Glauben und verteidige ihn auch". Er und seine Frau (46) bedauern, dass die Kirche allgemein an Stellenwert verloren hat. "Ich denke, das hat mit einem Werteverfall zu tun. Es gibt eine Sättigung an allem, viele brauchen die Kirche heute nicht mehr", sagt Heinz-Josef Büllesbach. Die Frage ob katholisch oder evangelisch verliere in einem solchen Kontext an Bedeutung. Umso wichtiger sei es, dass Katholiken und Protestanten als Christen gemeinsam für ihren Glauben einstünden. "Mir wäre es am liebsten, man würde eine Kirche draus machen. Wir haben ja auch nur einen Herrgott." Kinder heute christlich zu erziehen sei ein "täglicher Kampf", sagt Ellen Büllesbach. "Jugendliche in der Pubertät finden die Kirche einfach uncool. Obwohl im Konfirmationsunterricht wirklich gute Sachen angeboten werden, der Besuch unterschiedlicher sozialer Einrichtungen etwa. Wir hoffen sehr, dass unsere Jungs durchhalten und sich wirklich für die Konfirmation entscheiden, aber zwingen wollen wir sie nicht."
Das Ehepaar glaubt nicht daran, dass eine ganz andere Gestaltung der Gottesdienste oder strukturelle Fragen entscheidend sind für volle oder leere Gotteshäuser. "Auch die evangelische Kirche hat unter schwindendem Gottesdienstbesuch zu leiden, obwohl dort Pfarrer heiraten und Frauen ordiniert werden können", stellt Büllesbach fest. Das heiße allerdings nicht, dass er nicht auch für die Zulassung von Frauen zum Diakonats- und Priesteramt sei. "Ich sehe keinen Grund, ihnen das zu verwehren. Allerdings denke ich nicht, dass sich dadurch die Situation der katholischen Kirche entscheidend ändern würde." Wichtiger sei vielmehr die Glaubwürdigkeit der im Dienst der Kirche stehenden einzelnen Mitarbeiter, ergänzt seine Frau. "Mit der Person des Pfarrers steht oder fällt für mich alles", sagt sie. Und es sei sicherlich schwierig, immer wieder neu zu vermitteln, was das Anziehende an Glauben und Kirche sei. Das müsse heute anders übersetzt werden als noch in den 50er Jahren.
Solange die Konfessionen noch nicht zur Einheit gefunden hätten, sei es notwendig, im Gemeindealltag den jeweils anderen zu präsentieren und zu Wort kommen zu lassen. "Damit wir uns verstehen lernen", sagt Heinz-Josef Büllesbach.
Vom 30. Januar bis 3. Februar findet in Trier unter dem Motto "und führe zusammen, was getrennt ist", ein Internationales Ökumenisches Forum statt. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden geht es um Seelsorge interreligiös, missionarische Ökumene, die Gestaltung ökumenischer Gottesdienste und Visionen für die Zukunft. <span/>Weitere Informationen und das gesamte Programm gibt es unter www.oekumenisches-forum-trier.de im Internet.
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