Die sichtbare Einheit muss das Ziel bleiben 01.02.12
Ökumenisches Forum mit hochrangigen Kirchenvertretern fortgesetzt

Präses Nikolaus Schneider (l.) und Kardinal Kurt Koch (r.)
Trier - "Die ökumenische Klärung des Kirchen- und Einheitsverständnisses steht heute ganz oben auf der Tagesordnung." Das hat der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, beim Internationalen Ökumenischen Forum am 1. Februar in Trier betont. Eine solche Klärung könne dann in eine "Gemeinsame Erklärung über Kirche, Eucharistie und Amt" münden, "die analog zu derjenigen über die Rechtfertigungslehre im Jahre 1999 ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem ökumenischen Weg in die Zukunft darstellen würde", sagte Koch. Mit Blick auf die kommende Heilig-Rock-Wallfahrt sprach Koch vom "Janusgesicht" der Reliquie, die einerseits ein Symbol für die Einheit der Kirche als Leib Christi sei, andererseits aber auf die "erbärmliche Tragik der Geschichte" hinweise, "dass die Christen das taten, was sich die Soldaten nicht trauten", nämlich den Leibrock Jesu "in Stücke und Fetzen" zu reißen und sich zu bekämpfen, anstatt eins zu sein.
Koch würdigte besonders das Leitwort der Wallfahrt "und führe zusammen, was getrennt ist". Das Leitwort liefere die "klare Diagnose", dass die Trennung bestehe. Diese Trennung aber sei "ein Skandal und großes Ärgernis" und "gegen den Willen Jesu". Diese "zutiefst anormale Situation" der Spaltung werde aber offenbar heute als solche gar nicht mehr so empfunden, meinte der Kardinal. Umso wichtiger sei die Bitte "führe zusammen". Dabei hielten die katholische und die orthodoxe Kirche am Ziel der "sichtbaren Einheit" fest.
Das unterstrich auch der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, Dr. Olaf Fykse Tveit. "Die sichtbare Einheit muss unser Ziel bleiben", sagte der Norweger. Der Ökumenische Rat der Kirche wolle dabei ein "wirksames Instrument" sein, diesen Weg zu gehen, versicherte Tveit. Er räumte aber ein, dass die ökumenischen Fortschritte heute "weniger dramatisch, sondern mühsamer" seien als noch vor einigen Jahrzehnten, nicht zuletzt, weil "Übereinkünfte über das Amt weiter entfernt" schienen als früher. Die Einheit sei aber kein Instrument für irgendein anderes Ziel, sondern ein Grundmerkmal der Kirche, sagte Tveit und würdigte vor diesem Hintergrund die Bedeutung von Veranstaltungen wie die jetzige in Trier.
Der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Nikolaus Schneider, brachte seine Sicht der Ökumene und Kirchengeschichte in einem Bild zum Ausdruck. Die Reformation habe "nicht ein altes Haus abgerissen und ein neues gebaut", sondern habe "Räume des Hauses neu gestaltet" und auch "viele Räume der katholischen Kirche" in diesem Haus schon verändert. Man dürfe sich in diesem Haus aber nicht "gemütlich einrichten", sonst werde es zu einem "die eigene Vergangenheit verherrlichenden Museum", erklärte Schneider, der auch Präses der rheinischen Landeskirche ist. "Das darf nicht passieren", sagte er, vielmehr müsse man sich durch Gottes Geist zu Neuaufbrüchen bewegen lassen. Schneider sprach sich dafür aus, die "Ökumene der Profile" zu einer "Ökumene der Gaben" weiter zu entwickeln, "in der wir unsere jeweiligen Profile als Ergänzung und Bereicherung der anderen verstehen und eben nicht mehr als Abgrenzung oder als eigene Identitätsstiftung zu Lasten der anderen". Schneider räumte ein, dass das Verständnis von Kirche, Eucharistie und Amt der Kernpunkt der Debatte sei. In dieser Debatte müsse aber auch das "Verhältnis von Geist und Amt Thema sein".
Bischöfin Rosemarie Wenner von der Evangelisch-methodistischen Kirche erinnerte an die Selbstverpflichtung in der "Charta Oecumenica" von 2001, in der Leitlinien für die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa verabschiedet worden waren. "Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens" dem entgegenstünden, zitierte sie aus der Charta und betonte: "Wir sind noch weit davon entfernt, das zu leben."
Auch der Vertreter des erkrankten Metropoliten Augoustinos von der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Erzpriester Konstantin Miron sprach sich dafür aus, "zu prüfen was möglich ist, theologisch, aber auch nicht-theologisch". Denn in der Kirchengeschichte hätten ja nicht immer nur theologische, sondern auch ökonomische, politische und gesellschaftliche Fragen eine Rolle gespielt.
Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer an dem Gespräch in der Einschätzung, dass die Kirchen heute das Evangelium bezeugen müssten, indem sie gemeinsam Antworten auf die Fragen der Menschen des 21. Jahrhunderts geben müssten. Generalsekretär Tveit nannte in diesem Zusammenhang etwa den Klimawandel, die Finanzkrise und die Themen Gerechtigkeit und Frieden.
Das ökumenische Forum dauert noch bis zum 3. Februar. Unter dem Leitwort der Wallfahrt "und führe zusammen, was getrennt ist" diskutieren die rund 200 Teilnehmer des Forums in Vorträgen, Podien und Workshops über die Herausforderungen diskutieren, vor denen die christlichen Kirchen heute gemeinsam mit den anderen Religionen stehen. Als Referenten werden unter anderem noch erwartet der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück und Prof. Dr. Gerhard Robbers, Präsident des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags. Weitere Informationen gibt es unter www.oekumenisches-forum-trier.de. Das Forum findet im Zugehen auf die Heilig-Rock-Wallfahrt vom 13. April bis 13. Mai statt. Informationen dazu gibt es unter www.heilig-rock-wallfahrt.de
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