Und führe zusammen, was getrennt ist

Den Glauben aufgefrischt 13.05.12

Gespräch über die Erfahrungen von und mit Pilgern

Karin Müller-Bauer (rechts) und Waltraud Maurer diskutierten mit Michael Schmitz vom Triererischen Volksfreund über das Pilgern.

Karin Müller-Bauer (rechts) und Waltraud Maurer diskutierten mit Michael Schmitz vom Triererischen Volksfreund über das Pilgern.

Trier - Pilgern zu Fuß oder mit dem Rad sorgt für außergewöhnliche Erlebnisse und bleibende Erinnerungen. Darin waren sich alle einig bei der Gesprächsrunde zum Thema Pilgern am Sonntag, 13. Mai, dem Schlusstag der Heilig-Rock-Wallfahrt. Moderiert wurde die Runde auf der Bühne am Hauptmarkt von Michael Schmitz, Redakteur beim Trierischen Volksfreund.

Karin Müller-Bauer, Referentin für Pilgerwege und Pilgertage beim Bistum Trier, berichtete von ihren eigenen Erfahrungen. 1991 habe sie sich erstmals als Pilgerin auf den Weg gemacht nach Santiago de Compostela: "Ich wollte mich einfach dieser Herausforderung stellen", sagte sie. Der Weg sei für sie dann auch zur Lebensprüfung geworden. Das individuelle Pilgern unterscheide sich von organisierten Wallfahrten, so Müller-Bauer: "Man fragt sich, wo kann ich mein Gepäck abladen, wo bekomme ich Verpflegung und wo kann ich schlafen?" Während der Heilig-Rock-Wallfahrt habe es dafür die Pilgeroase am Brüderkrankenhaus gegeben. Eine Begegnung dort werde sie nicht vergessen: Zwei Radfahrer aus Erfurt, einer davon schwerbehindert, trafen abends kurz vor Toresschluss an der Pilgeroase ein, mit letzter Kraft und durchgefroren. "Wir haben dann ein großes Bett angeschleppt", schilderte sie, "es war sehr berührend, als die beiden berichteten, wie wichtig es ihnen war nach Trier zu kommen."

Waltraud Maurer aus dem saarländischen Hülzweiler hat während der Heilig-Rock-Wallfahrt ihre ersten Erfahrungen als Fußpilgerin gemacht. Gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie die 80 Kilometer nach Trier in vier Tagesetappen bewältigt. "Als der Aufbruch immer näher kam, wurde es mir langsam flau", sagte sie, doch dann sei sie "wild entschlossen" gewesen zu pilgern, nicht einfach zu wandern.

"Unterwegs bekam das Herz immer mehr Flügel, die Füße leider immer mehr Blasen." Dennoch sei es ein wunderschönes Erlebnis gewesen, sie habe sich und ihre Schwester viel besser kennengelernt. "Und auch mein Glaube wurde aufgefrischt!" Vom freundlichen Empfang in der Pilgeroase war Maurer so angetan, dass sie sich gleich als freiwillige Helferin gemeldet hat. Die Woche dort habe ihr Leben sehr bereichert. Allein ein Blick in das Gästebuch der Pilgeroase biete jede Menge berührende Geschichten.

Viel vorgenommen hat sich Christian Firsching aus Bamberg. Er ist seit 15 Tagen unterwegs und will zu Fuß nach Santiago de Compostela, nach seiner Schätzung 2800 Kilometer. Ende August will er dort sein. Jetzt hat er Station in der Trierer Pilgeroase gemacht, nachdem er bei einer Gastfamilie in Rheinböllen von der Wallfahrt gehört hatte, "ein toller Zufall", wie er sagte. "Gerade läuft es in meinem Studium nicht, da habe ich mich auf den Weg gemacht, um die Akkus aufzuladen", erklärte er seine Motivation. Zum Start hat er sich die langen Haare abgeschnitten: "Wenn man nicht weiß, wann man sich das nächste Mal waschen kann, ist das praktischer." Die Trierer Pilgeroase fand er klasse, "vielleicht kann ich dort ja helfen, wenn es wieder so eine Wallfahrt gibt."

Den Ball nahm Rainer Strauss, Teamleiter in der Pilgeroase, gleich auf: "Wenn irgendwann der Heilige Rock wieder gezeigt wird, rufe ich Dich an und wir bilden ein Team", kündigte er an. Über 500 Übernachtungen habe die Pilgeroase in den Wochen der Wallfahrt verzeichnet, sagte Strauss, über 5.000 Pilgerurkunden seien ausgestellt worden. Er und die 170 ehrenamtlichen Helfer dort hätten vor allem Erleichterung und Dankbarkeit der Gäste gespürt. Die Pilger seien aus den unterschiedlichsten Schichten und Milieus gekommen: "Wir hatten auch eine Gräfin zu Gast, was so erst gar nicht erkennbar war", berichtete er. In zahlreichen persönlichen Gesprächen habe er festgestellt, dass viele sich aus religiösen Gründen auf den Weg gemacht haben, oft seien Schicksalsschläge der Anlass gewesen. Dass die Wallfahrt jetzt zu Ende geht, stimme ihn traurig, gibt Strauss zu. Andererseits: "Wir brauchen ja nicht unbedingt den Heiligen Rock, um die Menschlichkeit und Freundlichkeit der vergangenen Wochen weiterzutragen."

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Trier: 13. April bis 13. Mai 2012
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