Am Puls der Zeit 13.02.12
Jugendliche diskutieren beim Forum "Kirche 2.0"

Beim Abschlussplenum in der Pauluskirche diskutierten die Teilnehmer die wichtigsten Themen noch einmal mit Bischof Dr. Stephan Ackermann (2. von links).
Trier - Wie können junge Menschen für Glaube und Kirche begeistert werden? Ist die Schaffung gerechter Lebensverhältnisse für alle möglich? Wie geht die Kirche mit dem Thema Sexualität und den Missbrauchsfällen um? Das waren bestimmende Themen des Jugendforums "Kirche 2.0", zu dem der Arbeitsbereich Jugendpastoral und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Trier am 11. und 12. Februar im Vorfeld der Heilig-Rock-Wallfahrt in die Trierer Pauluskirche eingeladen hatte. Etwa 70 Jugendliche und junge Erwachsene diskutierten mit hauptamtlichen Mitarbeitern in der Jugendarbeit, Experten und Vertretern des Bistums und der Politik.
"Wir werden mit unseren Ideen immer wieder abgeblockt!" Das ist immer wieder zu hören an diesem 11. Februar im Diskussionsforum zur Frage: "Wie können sich Jugendliche an Kirche beteiligen?". Die Erfahrung vieler junger Menschen in ihren Gemeinden: Entweder gibt es keine Ansprechpartner, keine Räume oder es fehlt das Verständnis für ihre Vorschläge. In der Runde herrscht bald Einigkeit: Gelingende Jugendarbeit hängt von der Betreuung vor Ort ab. Auch für Weihbischof Dr. Helmut Dieser ist klar: Die hauptamtlichen Mitarbeiter müssen den Kontakt zu den Jugendlichen halten: "Man muss wissen, wie die ticken, die vor einem sitzen." Mit in der Runde sitzt die CDU-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Julia Klöckner. Für sie steht fest: "Die Kirche muss beim bezahlten Personal für Jugendliche eine Schippe drauflegen."
Die jungen Menschen diskutieren offen und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund, egal ob sie mit Bischof Dr. Stephan Ackermann über die Attraktivität von kirchlichen Berufen reden oder mit der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Malu Dreyer über die Forderung nach gerechten Lebensverhältnissen für alle. Die Themen haben sie selbst vorgeschlagen und entwickelt. Besonders unter den Nägeln brennt den Jugendlichen die Haltung der katholischen Kirche zur Sexualität. So empfinden viele beispielsweise den Umgang mit dem Thema Homosexualität als diskriminierend. "Ich habe homosexuelle Freunde, die sich ausgegrenzt und verletzt fühlen", bericht eine Jugendliche. Beim abschließenden Plenum in der Pauluskirche wird deutlich, dass viele der jungen Leute ähnliche Erfahrungen gemacht haben. "Das erhöht den Druck, sich damit auseinanderzusetzen", sagt Bischof Dr. Stephan Ackermann. Auch das Thema des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich wird in der Abschlussrunde noch einmal aufgegriffen. Die Jugendlichen fordern eine breitere Diskussion: "Wir müssen in dem Zusammenhang auch über Macht, Zölibat und Sexualmoral reden", bringt es ein Diskussionsteilnehmer auf den Punkt.
Am Ende des Tages ziehen die Teilnehmer des Jugendforums "Kirche 2.0" eine positive Bilanz. Die 17 Jahre alte Christina Fuhrmann aus Hambuch: "Es war eine klasse Idee für junge Leute, es hat sich definitiv gelohnt herzukommen." Und die 19-jährige Anna Wild aus Jünkerath stimmt ihr zu: "Die Gespräche waren interessant und informativ, die Idee ist am Puls der Zeit." Auch die Organisatoren sind zufrieden: "Es war ein Wagnis", sagt die Diözesanvorsitzende des BDKJ im Bistum Trier, Anja Peters, "aber es hat gut geklappt." Die Jugendlichen hätten engagiert diskutiert und ihre Themen vorgebracht. "Jetzt ist es unsere Aufgabe, Räume zu schaffen, damit die Themen weiter diskutiert werden können." Bischof Ackermann war von der Offenheit und Ernsthaftigkeit der jungen Leute angetan. "Hier wurde deutlich, dass es junge Leute gibt, die sich mit den Themen auseinandersetzen und zur Kirche gehören wollen."
Während der Wallfahrt wird es ein breites Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene geben. Alle Information dazu gibt es unter www.jugend-rockt2012.de im Internet. Fotos gibt es auch auf der Facebook-Seite jugend-rockt2012.de
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