Und führe zusammen, was getrennt ist

JOMI macht sprachlos 13.05.12

In der reich mit Worten, Tönen und Gesten gefüllten Kathedrale: Trierer Domnacht spricht alle Sinne an

Trier - Der Strom der Pilgerinnen und Pilger will einfach nicht abreißen. Nicht am Abend, nicht um Mitternacht, und auch eine Stunde später nicht. Noch einmal am Schrein vorbeigehen, sich"berühren" lassen vom Heiligen Rock, noch einmal die Tunika Jesu Christi vor Augen ein Gebet sprechen. Ja, noch einmal Teil sein dieser Wallfahrt. Die lange Domnacht am Samstag, 12. Mai, wirkt da wie eine herzliche Einladung, wie eine Türöffnerin.

Und obwohl in der Hohen Domkirche ständig Bewegung ist, gelingt es trotzdem, sich auf das "Angebot" der Nacht einzulassen. Es ist schlicht "stark" genug und hält jeder Ablenkung stand. Die Domnacht ist wieder eingebettet in die "Nacht der Kathedralen". Wie wohl in den anderen Städten von Metz bis Monaco gefeiert wird? Diese Frage stellt man sich nur kurz. Schon zieht die Trierer Variante in ihren Bann. Es ist ein großes Glaubensfest für alle Sinne: wortreich; ohne Worte; klangvoll - schön.

  • Auf die höchste Wolke klettern

Es gibt viele neue Eindrücke, aber auch Bekanntes: Wie ihre Vorgängerinnen verzichtet auch die lange Domnacht nicht auf liebgewonnene Rituale. Wieder ist es Dechant Benedikt Welter aus Saarbrücken, der seine Kerze an der Osterkerze entzündet und das Licht weiterträgt. Schon bald "strahlt" er wieder, der Dom: im Kerzenschein hundertfach flackernder Flammen. Und wieder sind es die Lebensfäden, die berichten. Lang ist er geworden in den vier Wochen, der "Gobelin des Lebens". Gewebt aus Fäden, die die Pilgerinnen und Pilger mitgebracht haben. Sie erinnern an Heiteres, an Trauriges - an das Leben. Da ist ein schwarzer Schal eingewebt. Er steht für Tod, Abschied, aber auch Dankbarkeit. Die Frau, die ihn mitgebracht hat, hat es niedergeschrieben: "Jetzt ist ein Teil meiner Trauer hier."

Ein anderer Lebensfaden ist Teil eines Klettergurtes. Er gehörte Tina. Sie ist bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Damit verbunden die Bitte an Gott, Tina zu suchen: "Und wenn Du sie nicht sofort findest, dann schau auf der allerhöchsten Wolke nach ihr. Denn auf die ist sie bestimmt geklettert. Auch der Teil einer Fahne ist dabei. Ihn hat eine Oma mitgebracht. Ihr zehnjähriger Enkel wollte sie basteln, doch er starb. "Ich will damit sagen, dass Leo für uns nicht verloren ist. Danke auch, dass mein Sohn Halt und Kraft im Glauben gefunden hat."

"Gott ist Raum" - so die Überschrift der Domnacht. Wie kann man das zum Ausdruck bringen? Mit Worten natürlich. Christa Pesch, Ulrich Laux, Hanne Bares und viele andere bringen auf den Punkt, was das bedeuten könnte: "Raum geben gehört zum Wesen der Liebe", heißt es da. Oder: "Die Kathedralen als Orte der Gegenwart Gottes." Oder: "Gott füllt diesen Raum, er ist Raum." Jesus habe aktuelle Botschaften transportiert. Er habe nicht gefragt: Was bringt mir etwas? Was springt für mich heraus? Und selbst im Tod gebe er dem Trost Raum: "Ich bin nur in den Raum nebenan gegangen. Betet. Lacht. Denkt an mich. Der Faden ist nicht durchschnitten."

Und auch die Musik kann gut erklären, um was es geht: "Gott als Raum der Liebe - Gott wird Mensch in Jesus Christus - Der Weg Jesu zum Tod am Kreuz - die Auferstehung". Mal sorgt Vivaldis Musik aus den "Vier Jahreszeiten" für beschwingte "Frühlings- und Hochgefühle", dann wieder verstört Olivier Messiaens "Schrei aus dem Abgrund" und führt ins tiefe Tal. Stefan Butterbach mit seinen Blasinstrumenten und Alfred Müller an der Orgel sind in dieser Nacht eine wohlklingende Verbindung eingegangen.

  • Wenn die Stille spricht

Worte, Musik - da ist alles möglich. Wie aber kann die "Erschaffung der Welt" oder die "Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena am Ostermorgen" ohne Worte und ohne Töne auskommen? Kann man das einfach "nur" spielen? Man kann sicher nicht. Aber JOMI kann. JOMI alias Michael Kreutzer ist Pantomime. In einer Welt, in der heutzutage nur noch der Lauteste, Schrillste und Bunteste "gehört" zu werden scheint, beweist er das Gegenteil. Das Gesicht weiß, die Kleidung weiß entführt er in eine Welt der Stille. Und sagt so viel mehr als tausend Worte. Er spricht mit jeder Faser seines Körpers. Da sitzt jede Stirnfalte, da beindruckt jede Geste. Güte, Härte, Trauer, Gier, Freude, Verzweiflung, Schmerz - JOMI bringt es zum Ausdruck. Da ist nicht wirklich ein Kreuz auf der Bühne, doch JOMI macht es sichtbar. Da ist ein Mensch, der leidet. Er trägt das Kreuz und bricht unter seiner Last zusammen. Diese Szene wirkt so real, man verspürt den Impuls, aufzuspringen, hinzulaufen und zu helfen. Viele Szenen später: Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen. Sie erkennt ihn.

Ja, JOMI macht sprachlos. Und wie ist es, am Ende einer langen, von vielen Menschen so wunderbar gestalteten Domnacht mit der Familie und auch mit JOMI noch eine Weile vor der Tunika Jesu Christi zu verweilen? Unbeschreiblich. Ohne Worte!

Weitere Informationen rund um die Heilig-Rock-Wallfahrt gibt es im Internet unter www.heilig-rock-wallfahrt.de oder im Wallfahrtsbüro, Telefon 0651-7105-8012.

JOMI ist sprachlos und JOMI macht sprachlos.

JOMI ist sprachlos und JOMI macht sprachlos.

Trier: 13. April bis 13. Mai 2012
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