Im alten Trier neu aufbrechen 06.05.12
Tausende Teilnehmer am Tag der Ökumene bei der Heilig-Rock-Wallfahrt
Trier - Ein deutliches Zeugnis der Einheit haben Christen unterschiedlicher Konfessionen bei der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier abgelegt. Etwa 2000 Pilger zogen am 5. Mai, dem Tag der Ökumene bei der Wallfahrt, gemeinsam durch die Stadt zu verschiedenen Stationen. Zum Abschluss feierten sie einen Ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienst.
"Ich bin sehr dankbar für diesen Tag, er berührt mich sehr", hatte Wallfahrtsleiter Dr. Georg Bätzing schon am Vormittag beim Auftakt des Tages der Ökumene im Pilgerzelt am Palastgarten gesagt. Die Ökumene sei aber auch sonst tagtäglich auf der Wallfahrt erlebbar. Als Beispiel nannte Bätzing das tägliche ökumenische Mittagsgebet in der evangelischen Kirche zum Erlöser, der Konstantin-Basilika. Und er erinnerte an das "vielleicht größte ökumenische Ereignis" während der Wallfahrt, die Nacht der Lichter mit den Brüdern aus Taizé, zu der tausende Menschen in den Trierer Dom gekommen waren. Der Tag der Ökumene könne helfen, auf dem Weg des Miteinanders zu bleiben, sagte Bätzing. Anschließend legten einige Teilnehmer ganz unterschiedliche ökumenische Zeugnisse ab: Ein deutsch-französisches Ehepaar, das sich in Taizé kennengelernt hat, oder ein Pfarrer, der Ökumene in der Notfallseelsorge als etwas Selbstverständliches erlebt. Besonders beeindruckt hat die Lebensgeschichte von Ingrid Sieg aus Saarbrücken. Sie hat lange Jahre eine konfessionsverschiedene Ehe geführt, konnte mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann sogar die Goldene Hochzeit feiern. "Als wir geheiratet haben, war Ökumene eigentlich noch kein Thema", sagte sie, "aber wir haben es halt einfach gewagt."
Miteinander verwoben durch den Glauben
Erste Station des gemeinsamen Pilgerwegs der Trierer Christuswallfahrt am Tag der Ökumene war der Dom. Die Vertreter der verschiedenen Konfessionen reihten sich in den an diesem Tag besonders großen Pilgerstrom ein und zogen am Schrein mit dem Heiligen Rock vorbei zum Altar. "Es ist ein ganz besonderer Wallfahrtstag", sagte Bischof Dr. Stephan Ackermann zur Begrüßung. Er erinnerte an das Leitwort der Wallfahrt "und führe zusammen, was getrennt ist", das das "Anliegen der Einheit" aufgreife, auch über Konfessionsgrenzen hinweg. Doch eigentlich müsse die Frage gestellt werden, ob das auch ganz richtig sei, so Ackermann, denn: "Wir tragen dieses Anliegen dem Herrn vor, aber in ihm sind wir eins." Er freue sich über die Anwesenheit der vielen Repräsentanten der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Rheinland-Pfalz und im Saarland und des Rates Christlicher Kirchen in Luxemburg sowie zahlreicher Ehrengäste aus der Ökumene, dies zeige die "Vielfalt der Kirche". Die erste Station des Pilgerwegs war überschrieben mit "Kreuz und quer verwoben". Bischof Ackermann erinnerte an den Webstuhl, dem alle Pilger vor dem Betreten des Doms begegnen. Er zeige: "Wir sind miteinander verwoben durch das Geschenk des Glaubens und der Taufe." Kirchenpräsident Christian Schad von der Evangelischen Kirche der Pfalz sagte zur Einführung: "Die Spaltung hindert uns daran, glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen des Evangeliums zu sein." Darum habe man sich "im alten Trier" versammelt, um neu aufzubrechen zu gemeinsamen Wegen.
Durch die belebte Innenstadt zogen die Teilnehmer in den Innenhof des Priesterseminars, der nächsten Station des Pilgerwegs. Sie trug die Überschrift "Eine Nummer zu groß?", gestaltet wurde sie vom Trierer Diözesanverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Pastoralreferentin Hedi Pelletier sagte, die kfd habe sich ganz bewusst dafür entscheiden, diese Station zu verantworten. "Ökumene ist uns ein Herzensanliegen." Christinnen und Christen stießen immer wieder auf Widerstände von außen und von innen. Es stelle sich die Frage, ob wir das Kleid, das Jesus hinterlassen hat, auch ausfüllen könnten, oder ob es zu groß bleibe. Doch: "Mit Gottes Hilfe fliehen wir nicht aus dem Schutz seines Gewandes, sondern sammeln uns unter ihm und lassen uns von ihm bekleiden."
"Nahtlos zerrissen?" war die Überschrift der dritten Station des Pilgerwegs in der evangelischen Kirche zum Erlöser, der Konstatin-Basilika. Der Bischof von Speyer Karl-Heinz Wiesemann warf die Frage auf, ob unsere Kirchen nicht in vielen Fragen heillos zerrissen seien. "Gott selbst schenkt uns im Symbol der nahtlosen und nicht zerrissenen Tunika Christi die Einsicht: all unsere Trennungen und all das, was uns zu hindern scheint sie zu überwinden, sind aufgehoben."
Sich am Reichtum der Anderen erfreuen
Wegen des starken Regens wurde auch die vierte Station mit dem abschließenden Ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienst in der Konstantin-Basilika gefeiert. "Gut angezogen?" lautete hier der Titel. In seiner Predigt sagte Kirchenpräsident Schad, das Christuskleid verbinde alle Getauften miteinander und schenke uns eine neue Identität: "Wir brauchen nicht selbst etwas aus uns zu machen, wir sind schon wer!" Diese Einkleidung hebe Hierarchien zwischen Menschen auf und gebe jedem Einzelnen Würde und Gewicht. Gerade der ungeteilte Rock verweise auf die Einheit der Kirche Jesu Christi. Schad bezeichnete die Ökumene als Mehrungsprozess: "Wir können uns am Reichtum der Anderen erfreuen und uns durch sie beschenken lassen." Er forderte, konfessionsverschiedene Ehepaare und Familien dürften nicht länger die "Stiefkinder der Ökumene" sein. Schmerzlich sei auch, dass "wir am Tisch des Herrn noch immer getrennt sind", so Schad, denn: "Sein Brot verträgt keine getrennten Tische." [» Predigt im Wortlaut]
Mit einer Zeichenhandlung feierten die Teilnehmer anschließend das Taufgedächtnis. Die Repräsentanten der verschiedenen Kirchen zeichneten den Pilgern ein Wasserkreuz auf die Stirn oder die geöffnete Hand verbunden mit der Zusage: "Du bist getauft auf den Namen des dreieinigen Gottes." Zur Erinnerung erhielten sie einen weißen Taufschal mit dem Leitwort der Wallfahrt um den Hals gelegt.
Am Ende des Tags der Ökumene zog Kirchenpräsident Schad ein positives Fazit: "Der Tag hat gezeigt, dass Vielfalt und Einheit miteinander korrespondieren." Alle christlichen Konfessionen seien aktiv beteiligt gewesen und hätten ihre bestimmte Farbe zeigen können. Für Pfarrer Oliver van Meeren von der Katholischen Gemeinde der Alt-Katholiken im Saarland war der Tag ein Fest. "Ich erhoffe mir davon einen großen Impuls, den gemeinsamen Weg weiter zu gehen." Gastgeber Bischof Dr. Stephan Ackermann empfand den Tag der Ökumene als "sehr berührend". Es habe eine gute Mischung aus Heiterkeit und einer sehr dichten Atmosphäre beim Tauferinnerungsgottesdienst gegeben, man sei sich mit einer großen Herzlichkeit begegnet. Jetzt müsse ein Weg gefunden werden, dies fortzusetzen. "Es wäre doch schade, wenn nach der Wallfahrt alles zu Ende wäre, wir dürfen den Faden nicht abreißen lassen."
"Wort auf den Weg" von der ACK Südwest
Berichte der anderen zum Tag der Ökumene:
Stimmen zum Tag der Ökumene
Bischof Stephan Ackermann
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Christian Schad, Evangelische Kirche der Pfalz
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Pfarrer Oliver van Meeren, Katholische Gemeinde der Alt-Katholiken im Saarland

Kreuz und quer verwoben: die Vertreter der verschiedenen Konfessionen in der Konstantin-Basilika.

Wallfahrtsbilder der einzelnen Tage
Die schönsten Bilder des jeweiligen Tages finden sich in unseren Tagesgalerien.


